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Corax 6/2009 Flipbook PDF

CORAX Fachmagazin für Kinder- und Jugendarbeit in Sachsen Ausgabe 6/2009


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Ausgabe 6/ 2009 ISSN 1860-9910 3,50 €

Magazin für Kinder- und Jugendarbeit in Sachsen www.corax-magazin.de

Veränderung Schulprojekt gegen den Klimawandel Die U18-Wahl - ein pädagogisches Experiment? Im Interview: Bernd Heidenreich Diplomarbeit: Verursacht Armut Krebs?

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corax 6/ 2009

editorial

Liebe Leserin, lieber Leser, Veränderung ist ein großes Wort. Sie vollzieht sich ständig und im Jahr 2009 hat sicher fast Jede und Jeder in irgendeiner Form zurück geschaut. Das Jubiläum der Friedlichen Revolution vor 20 Jahren gab dazu reichlich Anlass, und auch der Corax entzieht sich diesem Trend zur Retrospektive nicht. Dabei weise ich zuerst auf unseren Artikel zur Jugendarbeit in der DDR hin. Er erzählt denen, die sie nicht erlebt haben, beispielhaft über die konkrete Jugendarbeit in Verwaltungsstrukturen wie den Bezirken Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt. Dabei zeigt sich, dass im DDR-System für alle auf irgendeine Art und Weise immer zu viel getan wurde. Auch die Kinder- und Jugendarbeit unterlag damit zwar einer Art Rundumversorgung, diese aber war selten mangelfrei. Das Wegbrechen des scheinbar fürsorglichen Systems 1989 hinterließ notwendige Lücken, wie das Corax-Interview mit Bernd Heidenreich zeigt. Der stellvertretende Leiter des Landesjungendamtes Sachsens hat die Nachwende-Entwicklung kontinuierlich begleitet und beobachtet. Neue Strukturen mit pluralistischem Grundgedanken konnten wachsen. Mit ihnen wurden die Aushandlungsprozesse schwieriger, denn es fehlt systembedingt die „ordnende Hand“. Und nach der rufen grade viele wieder. Das geschieht im Zuge einer Ostalgie-Welle, die dieses Jahr einen schauerlichen Höhepunkt erreicht hat. Und doch werden seit Beginn der Nachwendezeit, die immer noch andauert, die Ideen und Potenziale der nachwachsenden Generationen authentischer kanalisiert. Das ist letztlich effektiver, denn die Untergangsstimmung, die in der späten DDR ein Dauerzustand war, tritt heute nur punktuell auf und sie

ist vergänglich. Sie artikuliert sich öffentlich, auch das ist neu, und oft sind grade Untergangsszenarios die Basis von produktiven Entwicklungen. Letzteres hoffen wir übrigens auch für „Flexman“, das Flexible Jugendmanagement, das im Corax-Interview mit dem Landesjugendamtsmann ebenfalls zur Sprache kommt. Auch über den Titelteil hinaus haben wir spannende Projekte im Heft. Das reicht von der Bundestagswahl für unter 18jährige, die wir retrospektiv beleuchten, bis zur Förderung von Zivilcourage durch das Theater der Unterdrückten und zum Modellprojekt „Demokratie in Kindertagesstätten“. Wir haben in diesem Heft versucht, die sächsische Kinder- und Jugendarbeit aus einer Vor- und Nacherperspektive zur „Wende“ anzupacken, und den größten Teil des Heftes nehmen die aktuellen Entwicklungen ein, von denen viele in die Zukunft weisen. Das verändernde Ereignis „Wende“ spielt damit nur als „Aufhänger“ eine Rolle, denn Veränderung vollzieht sich, wie geschrieben, ständig. Nur, an einem Punkt wie diesem Jubiläum reflektiert es sich eben sehr gut darüber. So wünsche ich Ihnen eine angenehme Lektüre, eine ruhige und besinnliche Weihnachtszeit, viele gute Ideen in 2010, sowie reichlich Erfolge bei Ihren Aushandlungsprozessen!

Enrico Damme. Redaktionsleitung i.V. CORAX

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kolumne

„Nicht was der Zeit widersteht, ist dauerhaft, sondern was sich klugerweise mit ihr ändert.“ (unbekannter Autor)

SYLVIA HEMPEL, Bildungsreferentin beim Landesverband Sächsischer Jugendbildungswerke e.V. und Mitglied der Corax-Redaktionsgruppe

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Alles verändert sich und das ist gut so. Wenn wir ehrlich sind, dann haben die meisten Veränderungen ja auch irgendwie Vorteile: Neue Herausforderungen, neue Perspektiven, neue Aufgaben. Nun ist grade die Jugendhilfe ständig von Veränderungen betroffen. Finanzielle Veränderungen, personelle Veränderungen, Veränderungen in der Zielgruppe, Veränderungen im Bedarf, Veränderungen in den Prioritäten. Und nicht immer verheißen sie etwas Gutes. Aber irgendwie schaffen wir es immer, uns darauf einzustellen und das Beste aus der neuen Situation zu machen. Das ist ein schwerer und steiniger Weg, aber in den meisten Fällen geht es ja gut. In letzter Zeit ist mir aber auch noch etwas ganz anderes zum Thema „Veränderung in der Jugendarbeit“ aufgefallen. Vor zirka zehn Jahren, kann ich mich erinnern, war das Wort „Projektarbeit“ in der Offenen Arbeit nahezu tabuisiert. „Lasst die Kinder und Jugendlichen in Ruhe, die haben in der Schule schon genug Stress und brauchen das Jugendhaus zum Entspannen, Chillen, Quatschen“, hieß es immer. Projekte waren maximal in den Ferien auf der Tagesordnung. Heute ist das schon ganz anders. Der Bildungsbegriff erhält in den Konzeptionen Prioritätsstufe eins. Bildung in ihren unterschiedlichen Variationen. Hilfe zur Selbsthilfe, Wahrnehmung von Interessen, Erlernen neuer Fertigkeiten und Kompetenzen – egal auf welchem Sektor. Haben sich nun die Zielgruppen so geändert oder haben diverse – hier nicht näher benannte – Studien ihr Übliches getan und zum Umdenken angeregt? Solange es im Rahmen bleibt, ist das ja auch nicht die schlechteste Veränderung. Eine kleine Anekdote aus dem aktuellen Arbeitsleben sei hier dazu angebracht: Vor ungefähr 17 Jahren entstand ein neuartiges Konzept zur außerschulischen naturwissenschaftlich-technischen Jugendbildung. Verhöhnt und belächelt von vielen Seiten, hatte man zu kämpfen, seine Daseinsberechtigung in der Jugendhilfelandschaft zu beweisen. ‚Durchhalten’ hieß die Parole und wie wir heute wis-

sen, war es ja nicht der schlechteste Ansatz. Auf alle Fälle gehörte zu diesem Konzept auch der Wunsch, Methoden, Ideen und Anregungen für alle zugänglich zu machen. Ähnlich wie unsere französischen und tschechischen Partner sollten dazu diverse Bausätze und Experimentier-Broschüren entwickelt werden. Im Zuge dieses Vorhabens wendete man sich unter anderem an einen großen deutschen Spiele-Hersteller mit der Idee, doch auch Experimentier-Kästen oder wenigstens kleine Material- und Ideensammlungen für das „kleine Experiment zwischendurch“ zu produzieren. Die Antwort kam schnell und lautete: Kein Bedarf! In der Begründung hieß es sinngemäß, dass derartige Themen nichts mit Spiel zu tun hätten und sich definitiv keine Interessenten und Käufer dafür finden würden. Schade! Heute finden sich in der Produktpalette besagten Herstellers unzählige Angebote. Allein zum Thema ‚Experimente’ gibt es in seinem Online-Shop 20 Produkte zu den unterschiedlichsten Bereichen, also Astronomie, alternative Energien, Pflanzen usw.. Und geht man mal durch die Regale einschlägiger Warenhäuser, wird man feststellen, dass das nur ein kleiner Teil des Ganzen ist. Na so was! Dieses Beispiel soll an dieser Stelle unkommentiert bleiben. Man hat es damals eben nicht besser gewusst…

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inhalt

editorial kolumne Nicht, was der Zeit widersteht ist dauerhaft (Sylvia Hempel) inhalt jugendhilfe sachsen Modellprojekt zwischen Kultur und Schule (Sven Albrecht) 15 Jahre Landesarbeitskreis Mobile Jugendarbeit e.V. (Tom Küchler) Freie Radios Sachsen - Sendebetrieb bedroht (Enrico Damme) Heimatwettbewerb des LV Soziokultur Sachsen e.V. (Andrea Gaede/ Tobias J. Knoblich) jugendhilfe im prozess Mädchenarbeit in Sachsen - droht das AUS? (Simone Kruschwitz) titelthema: veränderung Jugendarbeit im Wandel (Carsten Schöne) Interview Bernd Heidenreich: Mut, sich auf Strukturen einzulassen Revolutionäre Freigeister (Peggy Stockhowe) MEDIENzeitALTER (Medienmacher) Junge Naturforscher im Wandel der Zeit (Randolf Rotta/ Bernd Frommelt) Kinder, Kinder (Doreen Semdner) Interview Dr. Siegfried Haller: Das Leipziger Fürsorgesystem - Vorbild für Deutschland praxis & projekte Alle reden vom Klimawandel - wir tun etwas dagegen (Michael Krasselt/ Roy Sommer) Planspiele gegen Gewalt (Andrea Schulz/ Jana Schwarz) Schülerfirmen trotzen Finanzkrise (Anja Schreiber) Peer-to-Peer konkret: Jununternehmerberatung (Claudia Schiebel) Statt Zuschauer nur Mit-Verändernde (Jutta Sundermann) Eine Kinderspielstadt für Jugendliche (Kleinhayn 2010-Projektteam) Multimedial Genail (Eric Mildner) Die deutschlandweite U18-Wahl (Henning Wünsch) Kinder im KiTa-Alltag beteiligen (Susann Larrass/ Jens Hoffsommer) Erfolgreiche non-formale Bildung (Julia Hübner) mensch & meinung Schlaue Mädchen - Dumme Jungen? (Dr. Tanja Betz) Zur Situation Freier Radios in Sachsen (Anne Tews) Kinder und Jugendliche im Fokus der Koalition (Carsten Schöne) Den Blick wieder aufs Politische richten! (Ingo Gebhardt) absolvent Verursacht Armut Krebs? (Adrienne Haack) experte Das project-exellence-Kriterium Mitarbeiterzufriedenheit (Michael Pfannkuchen)



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das letzte wort Freiwilligkeit, Protest und Unwissenheit zur U18-Wahl (Maria Singer) leserservice seite